Das handwerkliche Färben von Leder
In diesem Themenblock wollen wir uns mit den verschiedenen Möglichkeiten Leder zu färben beschäftigen.
Wir lernen verschiedene Typen von Lederfarbe mit ihren relevanten Eigenschaften und den zugehörigen Auftragsmöglichkeiten kennen.
Zudem soll auch das abschließende Oberflächenfinish und die Lederpflege besprochen werden. Kantenbearbeitung und Kantenfärbung werden in einem separaten Beitrag behandelt.
Farbe und Leder ...
... müssen zueinander passen.
Die grundlegenden Eigenschaften der beschriebenen Lederfarben beziehen sich auf die Verwendung von unbehandelten, pflanzlich gegerbten Rindledern. Andere Gerb.- und Lederarten, Vorbehandlungen oder Altleder können zu abweichenden Ergebnissen führen und müssen zuvor getestet werden. Das handwerkliche Färben bedingt, dass die Farbanmutung durchaus auch innerhalb der Lederhaut changieren kann. Dies begründet sich in der Oberflächenstruktur, Porenverteilung und Saugfreudigkeit des Leder in Abhängigkeit vom gewählten Farbtyp und der Auftragsmethode.
Alles in Allem betrachtet entsteht so ein echtes Unikat.
Die Farbtypen
1. Einziehfarbe, Beize oder Dye
2. Acryl- Deckfarben
3. Giardini Maxcraft Dye
4. Antiquefarben
1. Einziehfarbe, Beize oder Dye
Verschiedene Namen für eine Farbfamilie.
Wie der Name schon sagt, ziehen Einziehfarben in das Leder ein und bleiben nicht nur an der Oberfläche. Die Pigmente werden in Wasser bzw. Alkohol gelöst und beim Auftrag in das Leder geschwemmt. Die Eindringtiefe hängt vom Auftragsverfahren und der verwendeten Menge ab. Einziehfarben sind transparente Färbemittel, die die Lederoberfläche nicht deckend versiegeln, die natürliche Oberflächenstruktur bleibt erhalten. Die Farbwirkung ist jedoch stark von der Untergrundtönung abhängig. Färben lässt sich also vom Helleren zum Dunkleren. Das natürliche Nachdunkeln pflanzlich gegerbter Leder verändert mit der Zeit die Farbwirkung hellerer Farbtöne. Ein Umfärben zum Dunkleren hin ist in der Regel gut möglich.
Alle Einziehfarben sind innerhalb ihrer Produktlinie untereinander mischbar und mit dem eingesetzten Lösemittel verdünnbar. So lassen sich eigene Farbtöne erstellen.
Die verschiedenen Produkte
1. wassergelöste Einziehfarbe (z.B. Fiebing`s Leather Colors)
- durch den Verzicht auf alkoholische Lösung besonders geeignet für die Verwendung in Schulen und Rehaeinrichtungen.
- gegenüber Alkholfarben etwas reduzierte Einziehtiefe, Farbechtheit und Dauerhaftigkeit
2. alkholische Lösung (z.B. ROC Lederfarbe, Fiebing`s Leather Dye, Fiebing`s Pro Dye)
- gegenüber wasserbasierten Farben tiefere Penetration ins Leder, stärkere Farbwirkung und verbesserte Dauerhaftigkeit
- Fiebing`s Pro Dye (früher Oil Dye) hat eine Ölbeimischung, wodurch die Farbe stärker und gleichmäßiger in das Leder einzieht, an Farbgrenzen kann es jedoch zu Ausblutung kommen - die Farbe wandert minimal in angrenzende Bereiche.
Der Farbauftrag
1. Tauchfärbung:
- maximale Farbsättigung und Gleichmäßigkeit
- lange Trockendauer bis zur weiteren Bearbeitung
- Beurteilung der Farbwirkung erst nach Trocknung
- v.a. durch alkoholische Tränkung wird das Leder deutlich härter, zusätzliche Behandlung mit Ölen/Fetten macht das Leder wieder geschmeidiger.
2. Schwammauftrag
- ebenfalls hohe Farbsättigung und Gleichmäßigkeit
- keine Durchfärbung des Leders
- mittlere Trocknungsdauer
- geeignet für mittlere bis größere Flächen
3. Auftrag mittels Wollpinsel/Dauber:
- ähnlich dem Schwammauftrag, jedoch deutlich anspruchsvoller Gleichmäßigkeit zu erzielen
- geeignet eher für kleine Flächen
4. Block.- / Tuchfärbung (fester Ballen aus Baumwolltuch)
- ein relativ trockenes Färbeverfahren
- die Farbwirkung lässt sich umgehend zu beurteilen
- additiver Farbauftrag ist möglich (zur Erhöhung der Sättigung, Überblenden, Schattieren)
- geeignet für alle Flächenmaße
5. Haarpinsel:
- für kleine Bereiche, Detailkorrekturen, Reparaturen, Bemalung
6. Airbrush:
- kontrollierte Farbsättigung und hohe Gleichmäßigkeit
- Farbauftrag nur oberflächlich
- Überblenden, Schattieren etc. ist möglich
Die Politur
Nach dem Trocknen wird mit einem weichen Baumwolltuch, Schafsfell oder Filztuch die Oberfläche poliert, überschüssiges Pigment entfernt - die Farbe erhält nun ihre Brillianz.
Einige Farbtöne aus dem Blau.-/Violettspektrum neigen bei Pigmentüberschuss auf der Oberfläche dazu einen metallischen Glanz zu hinterlassen. Bei trockenen Färbeverfahren tritt dieses Phänomen nicht auf, ansonsten hilft es die Farbe zu verdünnen und mehrfach aufzutragen bis der gewünschte Sättigungsgrad erreicht ist.
Was tun wenn doch mal etwas abfärbt?
Manche Pigmente gehen weniger feste Verbindungen mit dem Leder ein, dies variert zwischen Farbtönen und hängt zudem mit den verwendeten Gerbzusätzen zusammen. Wenn nun beim Nachpolieren sich der Lappen kontinuierlich verfärbt, müssen Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden.
Der Craft Japan Leather Binder leistet hier gute Dienste. Zunächst wird oberflächliches Pigment wieder gelöst, dadurch Überschuss entfernt und Pigment auch wieder tiefer ins Leder "gespült". Nach ein bis zwei Anwendungen sollte auch in kritischen Fällen das Abfärben unterbunden sein. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass graduelle Farbunterschiede ausgeglichen werden.
Abschließend kann mit einem Oberflächenfinish der Wahl noch eine Siegelschicht aufgebracht werden.
Vorsichtsmaßnahmen:
Alle Einziehfarben haben eine stark färbende Wirkung auf saugfähige Materialien (Holz, Textil, Pappe usw.)
Im Sinne des Haut.- und Gesundheitsschutzes seien Schutzhandschuhe (z.B. Latex oder Nitril) empfohlen, es ist auf ausreichende Belüftung am Arbeitsplatz zu achten. Bei alkoholisch gelösten Farben besteht Entzündungsgefahr - Feuer oder Hitzequellen müssen unbedingt ferngehalten werden.
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Finish / Pflege
Die Pigmente von Einziehfarben gehen eine feste Verbindung mit den Fasern und der Oberfläche von vegetabil gegerbtem Leder ein. Ist überschüssiges, ungebundenes Pigment durch Polieren entfernt, ist ein Abfärben weitestgehend unterbunden. Vorsicht, bei anderen Gerbarten (z.B. Mineral.- / Chromgerbung) ist das nicht unbedingt der Fall.
Um bei kritischen Anwendungen auf der sicheren Seite zu sein kann eine Behandlung mit Craft Japan - Leather Binder empfohlen werden und/oder eine Versiegelung mit diversen Oberflächenfinishes erfolgen.
Die Bandbreite der Oberflächenfinishes ist groß und richtet sich nach den gewünschten optischen und physikalischen Eigenschaften.
Öle, Fette, Wachse, Harze, Acryl - Was nehmen?
Öle dringen in die Tiefe des Leders ein und machen das Leder geschmeidiger. Sie schmieren sozusagen die Lederfasern und reduzieren die inneren Reibeigenschaften des Leders. Zudem wird die Wasseraufnahmefähigkeit des Leders reduziert.
Fette haben ähnliche physikalische Eigenschaften wie Öle, dringen jedoch aufgrund ihrer Konsistenz nicht so tief in das Leder ein.
Wachse sorgen für stark wasserabweisende Eigenschaften ohne das Leder weicher zu machen - ähnliches gilt für Harze.
Finishes auf Acrylbasis versiegeln am stärksten und bilden die stärkste Sperrschicht gegen Wasser und Verschmutzung.
Jedes Finish unterliegt im Gebrauch einem gewissen Verschleiß durch mechanische und klimatische Einflüsse, was eine gelegentliche Auffrischung erforderlich machen kann.
Die Gabe von Öl oder Fett ist bei stark versiegelten Ledern nur schwerlich möglich. Lediglich die Fleischseite, sofern sie zugänglich ist kann noch signifikanten Mengen an Öl oder Fett aufnehmen.
Wann ist welche Methode angezeigt?
Die Auswahl erfolgt nach einer Abwägung/Gewichtung der gewünschten Eigenschaften, wie Natürlichkeit der Oberfläche, Pflegeanspruch, Schutz vor Nässe und Verschmutzung.
Öle und Fette finden bevorzugt Anwendung wenn die Natürlichkeit der Lederoberfläche möglichst unverändert bleiben soll und zu erwarten steht, dass das Leder regelmäßig genährt und nachbehandelt werden muss.
Hier geht es zu einer Auswahl von Ölen und Fetten für die Lederpflege.
Ist ein zusätzlicher Wasserschutz gewünscht, können ergänzend Wachse zum Einsatz kommen. Bienen.- und Carnaubawachs in Blockform werden zunächst erwärmt oder verflüssigt und anschließend auf die Lederoberfläche aufgebracht. Bequemer geht es mit gebrauchsfertigen Mitteln, wie z.B. Giardini Leather Conditioner, Fiebing`s Leather Balm oder Fiebing`s Carnauba Cream.
Fiebing`s Tan Kote ist eine auf Harz basierende Imprägnierung, die guten Schutz gegen Wasserflecken und Verschmutzungen bietet, aber auch die Natürlichkeit des Leders erhält.
Den höchsten Schutzgrad bieten Finishes auf Acrylbasis, diese sind mitunter sowohl optisch als auch haptisch wahrnehmbar und reduzieren die natürliche Oberflächenanmutung, da der Glanzgrad durch partiellen bzw. vollständigen Porenverschluß deutlich erhöht wird. Mit der Auftragshäufigkeit nimmt dieser Effekt zu.
Beurteilung des Glanzgrades (aufsteigend von links nach rechts):
Craft Japan - seidenmatt > Craft Japan - glänzend > Fiebing`s Leather Sheen > Fiebing`s Pro Resist > Fiebing`s Resolene
Hier geht es zu den Acryl-Finishes
Eine Sonderstellung nimmt Giardini Maxcraft Leather Dye Fixative ein.
Maximaler Oberflächenschutz ohne signifikante Veränderung der Oberflächenanmutung.
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2. Acryl- Deckfarbe
Acryl- Deckfarben sind hochpigmentierte, deckende Oberflächenfarben, optimiert für die Verwendung auf Leder in Bezug auf Haftfähigkeit, Dauerelastizität und Haltbarkeit.
Durch den deckenden Farbauftrag wird die Oberflächenstruktur des Leders verändert, feine Poren werden partiell verschlossen, es entsteht eine glattere Anmutung.
Die Deckfähigkeit macht es möglich dunklere Farben zu übertönen, jedoch profitieren besonders die helleren Farben von einer Weißgrundierung zur Anhebung der Farbintensität.
Die überwiegende Anwendung dieser Farben ist malerisch und so kommen meist feine Haarpinsel zum Einsatz. Der Auftrag mittels Airbrush, Tuch oder Schwamm ist allerdings auch möglich.
Die Farben lassen sich innerhalb ihrer Produktfamilie mischen und sind mit Wasser verdünnbar. Arbeitsgerät lässt sich mit Wasser reinigen - solange die Farbe noch nicht getrocknet ist.
Nach dem Trocknen sind Acryl- Deckfarben wasserfest, dennoch empfiehlt sich ein zusätzliches Oberflächenfinish, um möglichst guten Schutz vor Abrieb und Witterung zu gewährleisten: Giardini Maxcraft Leather Dye Fixative für einen möglichst unauffällige Oberflächenschutz - maximale Schichtdicke und mechanischen Schutz bietet Fiebing`s Acrylic Resolene, s.o.
Inhalt: 0.06 Liter (158,33 € / 1 Liter)
3. Giardini Maxcraft Dye - Die Symbiose aus Deck- und Einziehfarbe
die optische Erscheinung liegt irgendwo in der Mitte zwischen reinen Deckfarben und Einziehfarben. Diese Farben funktionieren deckend, belassen die Oberflächenstruktur (Narbenbild) des Leders aber weitestgehend unverändert. Die Beeinflussung der Farbwirkung ist nur geringfügig und dies in erster Linie bei hellen Farbtönen von der Hintergrundfarbe abhängig.
Die Anwendung von Giardini Maxcraft Dye
Das Mittel der Wahl zum Farbauftrag ist der nebelfeuchte Viskose-Färbeschwamm. Die Farbe wird auf den Schwamm gegeben und in diesen einmassiert. Der Auftrag auf das Leder muss zügig in gleichmäßigen Bewegungen (z.B. kreisend auf der Fläche, lange Bahnen bei Gürteln) erfolgen, dabei ist ein Überschuß an Farbe auf der Oberfläche zu vermeiden. Getrockneter Überschuß lässt sich später nicht mehr entfernen, solange die Farbe frisch auf dem Leder ist kann mit einem feuchten Schwamm nachgewischt werden.
Auch der Airbrush kann zum Einsatz kommen, Dauber und Blockfärbung hingegen sind nicht zu empfehlen.
Die Farbtöne sind untereinander mischbar, eine Verdünnung bis zu 20% mit destiliertem Wasser oder dem Giardini Verdünner ist möglich.
Nach dem Trocknen sind die Oberflächen bereits stark wasserabweisend und abstoßend gegenüber Verschmutzung und weiterem Farbauftrag. Ein weiterer additiver Farbauftrag ist nur möglich, indem die Oberfläche chemisch aufgerauht wird. Hierzu verwendet man Giardini Maxcraft Leather Wash Up.
Alle Farben von Giardini sind wassergelöst und verzichten auf Konservierungsmittel. Eine saubere und sorgfältige Arbeitsweise ist angeraten, um eine Kontamination der Farbe mit Bakterien oder Sporen zu vermeiden. Das Umfüllen einer Verbrauchsmenge in ein Arbeitsgefäß verhindert, dass das Hauptgebinde lange geöffnet bleibt und Konatkt mit den Auftragswerkzeugen bekommt. Gut verschlossen und gleichbleibend kühl gelagert verlängert sich die Haltbarkeit erheblich.
Inhalt: 0.25 Liter (33,00 € / 1 Liter)
4. Antiquefarben
Antiquefarben können genutzt werden, um das Leder flächig zu Färben, durch ihre pastöse bzw. dickflüssige Konsitenz füllen sie Unebenheiten in der Lederoberfläche und dunkeln diese Bereiche stark ab. Poren, Narben, Stempelabdrücke und Punzierungen werden in ihrer optischen Wahrnehmung verstärkt.
Allen Antiquefarben gemein ist ihre Wasserlöslichkeit, überschüssiges Pigment kann mit feuchtem Schwamm oder Tuch abgenommen werden. Bleibt Pigmentüberschuß auf der Oberfläche stehen, lässt sich in Kürze eine Patina erzeugen.
Die Wasserlöslichkeit macht eine abschließende Versiegelung erforderlich, um die Farbe vor Feuchtigkeit und mechanischem Abrieb zu bewahren.
Neben den zur Auswahl stehenden Farbtönen unterscheiden sich die Produkten in erster Linie in ihrer Konsistenz.
Craft Japan Antik Finish und Fiebing`s Vintage Gel sind dickflüssig/gelartig.
Fiebing`s Antikfinish ist fest, pastös ähnlich wie Schuhcreme mit einem Fettanteil - führt zu längerer Trocknungszeit.
Fiebing`s Hi-Liter und Antik Leather Stain sind dünnflüssiger.
Hier entscheidet am ehesten die persönliche Vorliebe in der Verarbeitung bei der Produktauswahl.
Zum Vergleich punziertes Leder (links) und mit Antiquefarbe überfärbt (rechts).
Inhalt: 0.1 Kg (79,00 € / 1 Kg)
Inhalt: 0.118 Liter (92,80 € / 1 Liter)
Inhalt: 0.118 Liter (108,47 € / 1 Liter)
Inhalt: 0.118 Liter (80,08 € / 1 Liter)